1001 Gründe für Sport

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Frauen beim Staffellauf Olympia

Manchmal morgens im Halbschlaf, manchmal während des Mittagessens, meistens abends vor dem Schlafengehen: Ich schaue auf mein Handy und checke meinen Instagram-Account. Ich habe mir den Account angelegt, um mein Training zu dokumentieren, aber auch um Gleichgesinnten zu folgen. Daher besteht mein Feed zu 90 % aus trainierenden Frauen.

Dabei sind die Profile, denen ich folge, ganz unterschiedlich. Manche Profile fokussieren sich rein auf den Sport und zeigen objektiv ihre Leistungen, andere geben Privates von sich preis, auf anderen Profilen wiederum werden politische Diskussionen geführt. Dennoch geht es immer wieder um Sport und welche Bedeutung er für das jeweilige Profil hat.

Was kann Sport sein?

Sport kann dabei alles sein. Es gibt Menschen, die sich nach einem langen Tag auf dem Schreibtischstuhl darauf freuen, sich zu bewegen und den Kopf freizubekommen. Sport ist ein Ausgleich, bedeutet Zeit für sich selbst, ohne Druck und Leistungsgedanken den Körper zu trainieren. Ebenso kann Sport Gemeinschaft oder Zeit mit Freunden bedeuten.

Für andere bedeutet Sport ein lästiges Übel – man “sollte” ja mal wieder trainieren, um die überschüssigen Pfunde wieder wegzubekommen. Man “sollte” ja mal wieder Sport machen, da man zu schnell aus der Puste kommt. Man “sollte” ja mal wieder Sport machen, weil es gesund ist. Für das Herz und die Gelenke.

Das alles steht in Kontrast zu den Personen, für die Sport mehr als ein Hobby ist. Die mit Sport ihr Geld verdienen und von klein auf trainiert haben, um den Sport als Beruf auszuüben. Die ihr Leben auf Sport ausgerichtet haben. Für die Sport eine Leidenschaft ist, bei der es darum geht, ehrgeizig gesteckte Ziele zu erreichen. Für die Sport ein elementarer Bestandteil des Lebens ist und einen wesentlichen Teil der Identität ausmacht.

Dabei gibt es Leute, denen Sport aus persönlichen Krisen geholfen hat. Denen Sport geholfen hat, einen ersten Schritt aus einer Essstörung zu machen. Dass dabei teilweise eine Verlagerung von einer Essstörung in eine “Fitnessstörung” geschieht, soll an dieser Stelle nicht Gegenstand dieser Gedankenreihe sein. Anderen wiederum hilft ein regelmäßiges Training, Struktur in den Alltag zu bringen und kann so bei Depressionen helfen.

Zu viel? Zu wenig?

Manch eines der Profile, denen ich folge, würde jetzt mit den Augen rollen und das alles als Drama empfinden oder um Aufmerksamkeit zu erheischen. Zu emotional und nur für Instagram gemacht. Andere Menschen wiederum können nicht verstehen, wie man Sport um des Sports willen machen kann: Wie kann man sich denn nicht genug anstrengen beim Training? Wie kann man ohne festes Ziel trainieren?

Sport kann mit großen Gefühlen einhergehen oder ganz rational sein. Er kann die Rettung aus einer persönlichen Krise und Hilfe bei Problemen sein. Er kann Spaß und Zeitvertreib bedeuten oder leistungsorientiert und messbar sein. Das alles ist legitim, kann sich ändern und ist individuell.

Ich wünsche mir mehr Toleranz für jeden Sportler, egal, was ihn oder sie antreibt oder wie ehrgeizig trainiert wird. Wie heißt es so schön? Jeder ist seines Glückes Schmied und welchen Anteil Sport daran hat, kann jeder für sich selbst entscheiden.

Warum trainiert ihr? Hat Sport eine tiefere Bedeutung für euch oder ist es ein Hobby, das nicht überanalysiert werden sollte?

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